Amboss
         
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Rekonstruktion eines wikingerzeitlichen Amboss' nach Vorlage eines Fundes aus Haithabu, gefertigt von einem leider namentlich unbekannten Schmied.
       
Eisen war auch in der Wikingerzeit noch immer ein kostbares Gut. Denn es musste nicht nur das Erz, wohl in der Regel Raseneisenerz, gewonnen werden, sondern es wurden auch Unmengen an Holzkohle zur Eisenverhüttung, dem Ausschmieden der Luppe, deren weiterer Aufbereitung und letztlich dem Schmieden selbst benötigt. Vor allem darf man dabei nicht vergessen, dass zur Gewinnung der Holzkohle auch noch riesige Mengen an Holz vorerst gemeilert werden mussten. Das Schmieden selbst war somit erst der letzte Prozess in einer immens langen Kette langwieriger Arbeiten, die viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl erfordern und zudem große Mengen natürlicher Ressourcen verbrauchen.

So verwundert es kaum, dass selbst im Metall verarbeitenden Handwerk der Wikingerzeit auch Steinambosse noch Verwendung gefunden haben. Ebenfalls nachgewiesene Geweihambosse sind dagegen wohl eher den entsprechenden Handwerksanforderungen geschuldet, als dem Wunsch eine eiserne oder stählerne Unterlage zu ersetzen.

Die für die Wikingerzeit überlieferten Ambosse aus Eisen sind verhältnismäßig klein, verglichen mit neuzeitlichen Vertretern geradezu winzig. So hat das bislang einzige Exemplar aus Haithabu eine Höhe von 10,7 cm und eine Bahnfläche von 6,0 x 5,5 cm. Als Besonderheit weist das Exemplar zudem noch ein Horn auf, bei dem die ursprungslänge umstritten ist. Petra Westphalen spricht von nur schwach korrodiert. Der Amboss ist allerdings in der derzeitigen Ausstellung im Wikinger Museum Haithabu zu sehen, wo die Meinung zwischen der Westphalens bis zu "stark korrodiert" reicht. Es muss entsprechend offen bleiben wie lang das Horn denn letztlich wirklich war. Denkbar sind aufgrund wikingerzeitlicher Funde zumindest beide Varianten. So gibt es beispielsweise aus einem Grab in Vik, Aust-Agder/Norwegen, ebenfalls einen Amboss, dessen Horn etwa 2/3 so lang wie dessen Bahn ist. (Wir haben uns für die längere Version entschieden, weil sie praktischer für einige Blecharbeiten ist.)

Generell kommen die wikingerzeitlichen Ambosse in zwei Formen vor: Mit und ohne Horn. Dabei greifen sie in ihrer Form auf eine Tradition zurück, die bis in die vorrömische Eisenzeit zurück reicht, wie der Fund aus Gudhem/Schweden beweist. Die geringe Standfläche dieser Schmiedehilfen macht es notwendig, den Amboss entweder in einen Holzklotz einzulassen oder aber - wie auch völkerkundlich belegt - auf den Boden zu stellen und ihn mit den Füssen oder Knien einzuklemmen.

Denkbare Anwendungsgebiete für diese kleinen Gerätschaften sind Arbeiten wie Ausbesserungsarbeiten oder das Dengeln von Geräten wie Sicheln, Treib- und Biegearbeiten ebenso wie Feinschmiedearbeiten.
   
       
   
Rekonstruktion eines wikingerzeitlichen Amboss' ach Vorlage eines Fundes aus Haithabu, gefertigt von einem leider namentlich unbekannten Schmied.
     
Amboss aus Haithabu
(Westphalen 2002, Tafel 2.10; mit freundlicher Genehmigung des Archäologischen Landesmuseums Schleswig-Holstein)
     
Bilden http://www.historiska.se/data/?bild=22039 som visar objektet http://www.historiska.se/data/?foremal=107115
Statens historiska museer SHM
Amboss aus dem Werkzeugfund von Mästermyr auf Gotland. (Gleichzeitig Link zum Datenblatt) © Statens Historiska Museum, Stockholm.
   
Bilden http://www.historiska.se/data/?bild=220675 som visar objektet http://www.historiska.se/data/?foremal=267694
Sara Kusmin SHMM
Amboss der vorrömischen Eisenzeit aus Gudhem, Västergötland. (Gleichzeitig Link zum Datenblatt) © Statens Historiska Museum, Stockholm.
   
   
Literaturnachweis:
Kroongaard Kristensen, Spor efter guldsmede fra vikinge tiden i Viborg. Kuml 1988-89 (1990), 335-346. 
D. Meier u. J. Reichstein, Eine wikingerzeitliche Siedlung westlich von Kosel, Kreis Rendsburg-Eckernförde (LA 117). Offa 41, 1984, 113-168.
M. Müller-Wille, Der Schmied im Spiegel archäologischer Quellen. Zur Aussage von Schmiedegräbern der Wikingerzeit. In: H. Jankuhn u.a. (Hrg.), Das Handwerk in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. Teil 2. Archäologische und philologische Beiträge. Bericht über die Kolloquien der Kommission für die Altertumskunde Mittel- und Nordeuropas in den Jahren 1977-1980. Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften Göttingen. 3, Nr. 123 (Göttingen 1983), 216-260.
H. Ohlhaver, Der germanische Schmied und sein Werkzeug. Hamburger Schriften zur Vorgeschichte und Germanischen Frühgeschichte 2 (Leipzig 1939).
P. Ottaway, Anglo-Scandinavian Ironwork from Coppergate. The Small Finds. Archaeology of York 17,6 (London 1992).
J. Petersen, Vikingetidens redskaper. Skirfter utgitt av det Norske videnskaps-akademi i Oslo 2 (Oslo 1951).
O. Rygh, Norske Oldsager. Ordnede og forklarede (Kristiania 1885).
I. Serning, Dalarnas järnålder (Stockholm 1966).
L. Thålin-Bergman, Blacksmithing in Prehistoric Sweden. In: H. Clarke (Hrg.), Iron and Man in Prehistoric Sweden (Stockholm 1979), 99-113.
A. Wallander, Smedgavar eller graver med smides- och snickarverktyg? Genomgång av definitioner och redskaps-kombinationer. Tor 22, 1988-1989 (1989), 105-159.
P. Westphalen, Die Eisenfunde von Haithabu. Die Ausgrabungen in Haithabu, Band 10 (Neumünster 2002).