Beitel / Stecheisen
         
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Rekonstruktion einer wikingerzeitlicher Beitel  nach einem Vorbild aus Haithabu,
 gefertigt von Matthias Barkmann.
       
Beitel oder Stecheisen sind im Vergleich zu Äxten nicht nur verhältnismäßig fein arbeitende Werkzeuge, sondern verglichen mit diesen auch relativ selten im Fundmaterial wikingerzeitlicher Fundplätze. Sie finden sich unter anderem in Aarhus, Mästermyr für Skandinavien und Trelleborg bzw. Oldenburg und Menzlin für den westslawischen Raum.

Aus Haithabu sind verschiedene Formen von Beiteln bekannt, von denen eine Form als Vorbild für die hier gezeigten Rekonstruktionen diente (oberste Reihe rechts aussen). Diese Stecheisen besitzen seitlich ausgestellte "Ohren" unterhalb des Holzgriffs, die verhindern sollen, dass die Angel während der Arbeit immer weiter in den Holzschaft getrieben wird und diesen irgendwann aufspaltet.
Der schlechte, weil stark runtergeschliffene, Zustand der Vorlage lässt etwas Raum zur Spekulation, wie das Original zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung ausgesehen hat. Entweder war die Blattpartie komplett trapezförmig oder sie ging in eine kantenparallele Form über.
Die komplett trapezoide Form hat den Nachteil, dass die Breite mit zunehmender Verkürzung des Blattes durch Schleifen ebenfalls abnimmt. Nichtsdestotrotz gibt es noch heute in Asien sehr ähnliche Stechbeitel, die dem Fund aus Haithabu sehr ähnlich sind und diese trapezoide Form besitzen.
Die hier gezeigte Rekonstruktion mit einem Blatt, das sich zunehmend verbreitert und schließlich in zwei parallel verlaufende Seiten übergeht, ist ebenfalls denkbar. Diese bietet den Vorteil, dass das Werkzeug auch über einen längeren Zeitraum des Nachschärfens dieselbe Breite behält. In diesem Fall wäre der Originalfund möglicherweise soweit abgenutzt und runtergeschliffen worden, bis diese parallelen Seiten "aufgebraucht" waren. Möglicherweise lag hierin auch der Grund, weshalb der Beitel schließlich entsorgt wurde.

Für die letztere Theorie scheinen auch viele der anderen in Haithabu gefundenen Stecheisen zu sprechen. Sie sind zumeist derart weit runtergeschliffen worden, dass eine effektive Nutzung als Werkzeug schließlich nicht mehr möglich war. Da die Geräte anscheinend so lange benutzt wurden, bis man wohl beinahe das Holz eher mit den eigenen Fingernägeln als mit Beitel bearbeitete, scheinen sie einen gewissen Wert gehabt zu haben, dessen man sich nicht ohne weiteres Entledigen wollte.
           
Verschiedene Beitel aus Haithabu
(Westphalen 2002, Tafel 23; mit freundlicher Genehmigung des Archäologischen Landesmuseums Schleswig-Holstein)
   
     
Literaturnachweis:
H.H. Andersen, P.J. Crabb u. H.J. Madsen, Aarhus søndervold. Jysk Arkæologisk Selskabs skrifter 9 (København 1971).
G. Arwidsson u. G. Berg, The Mästermyr Find. A Viking Age Tool Chest from Gotland (Stockholm 1983).
I. Gabriel, Hofkultur, Heerwesen, Burghandwerk, Hauswirtschaft. In: M. Müller-Wille (Hrg.), Starigard/Oldenburg. Ein slawischer Herrensitz des frühen Mittelalters in Ostholstein (Neumünster 1991), 181-250.
P. Nørlund, Trelleborg. Nordiske Fortidsminder 4,1 (København 1948).
U. Schoknecht, Menzlin, ein frühgeschichtlicher Handelsplatz an der Peene. Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte der Bezirke Rostock, Schwerin und Neubrandenburg 10 (Berlin 1977).
P. Westphalen, Die Eisenfunde von Haithabu. Die Ausgrabungen in Haithabu, Band 10 (Neumünster 2002).