Blechschere
         
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Rekonstruktion eines wikingerzeitlichen Blechschere ach Vorlage eines Fundes aus Haithabu, gefertigt von einem leider namentlich unbekannten Schmied.
       
Wer kennt es nicht? Das alltägliche Problem: Man möchte mal eben zwischen Arbeit und ins Bett fallen schnell eine Waagschale treiben, einen Messerscheidenbeschlag bauen oder einfach etwas Blechkonfetti herstellen. Doch wie zerteilt man das Blech? - Sicher ist eine Metallsäge eine denkbare Lösung, wenn man stärkere Bleche bearbeiten oder einfach nur seine Zeit verschwenden möchte...

Ähnliches gilt auch für die Wikingerzeit. Allerdings fehlen hier, mit Ausnahme vielleicht der Bügelsäge aus dem Werkzeugdepot von Mästermyr auf Gotland, Funde von Metallsägen (wobei hier Sägen zum zerstückeln von Metall gemeint sind und nicht solche aus Metall). Nur unbedeutend häufiger aber doch zahlreicher sind Funde von Blechscheren. Jedoch ist diesen allesamt gemeinsam, dass sie eher zum Zerteilen von feineren Blechen geeignet sind. Exemplare, die beispielsweise zum Zuschnitt stärkerer Eisenbleche herangezogen werden könnten, fehlen bislang. Entsprechend stellen die bislang gemachten Funde wohl weniger einen Nachweis von Grobschmieden innerhalb einer Siedlung dar, als vielmehr von Fein- oder Edelmetallschmieden und sind somit wohl eher dem professionellen Handwerk zuzuordnen. Entsprechend verwundert es nicht, dass mehrere Blechscheren auch in Haithabu gefunden wurden.
   
       
Blechschere aus Haithabu
(Westphalen 2002, Tafel 4.17; mit freundlicher Genehmigung des Archäologischen Landesmuseums Schleswig-Holstein)
   
   
Literaturnachweis:
Kroongaard Kristensen, Spor efter guldsmede fra vikinge tiden i Viborg. Kuml 1988-89 (1990), 335-346. 
M. Müller-Wille, Der Schmied im Spiegel archäologischer Quellen. Zur Aussage von Schmiedegräbern der Wikingerzeit. In: H. Jankuhn u.a. (Hrg.), Das Handwerk in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. Teil 2. Archäologische und philologische Beiträge. Bericht über die Kolloquien der Kommission für die Altertumskunde Mittel- und Nordeuropas in den Jahren 1977-1980. Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften Göttingen. 3, Nr. 123 (Göttingen 1983), 216-260.
H. Ohlhaver, Der germanische Schmied und sein Werkzeug. Hamburger Schriften zur Vorgeschichte und Germanischen Frühgeschichte 2 (Leipzig 1939).
P. Ottaway, Anglo-Scandinavian Ironwork from Coppergate. The Small Finds. Archaeology of York 17,6 (London 1992).
J. Petersen, Vikingetidens redskaper. Skirfter utgitt av det Norske videnskaps-akademi i Oslo 2 (Oslo 1951).
O. Rygh, Norske Oldsager. Ordnede og forklarede (Kristiania 1885).
I. Serning, Dalarnas järnålder (Stockholm 1966).
L. Thålin-Bergman, Blacksmithing in Prehistoric Sweden. In: H. Clarke (Hrg.), Iron and Man in Prehistoric Sweden (Stockholm 1979), 99-113.
A. Wallander, Smedgavar eller graver med smides- och snickarverktyg? Genomgång av definitioner och redskaps-kombinationer. Tor 22, 1988-1989 (1989), 105-159.
P. Westphalen, Die Eisenfunde von Haithabu. Die Ausgrabungen in Haithabu, Band 10 (Neumünster 2002).