Breitdechsel / Querbeil
         
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Ungeschäftete Rekonstruktion des Breitdechsels von Mästermyr auf Gotland, gefertigt von Jens Eichler.
       
Dechsel sind für die Wikingerzeit keine untypische Axtform. - Bei ihnen handelt es sich um quer zum Schaft angebrachte Schneiden. Allerdings handelt es sich bei den wikingerzeitlichen Querbeilen in der Regel um Exemplare mit schmaler Schneide. Außerdem haben sich bei den Dechseln zwei für die Wikingerzeit archaische Axtformen erhalten: Das sogenannte Lappen-, und das Tüllenbeil.

Beide Formen haben kein Schaftloch, wie man es von heute noch gebräuchlichen Äxten kennt, sondern bestehen aus einer Schneide, die am anderen Ende zu einer Tülle aufgerollt ist. Ist diese Tülle geschlossen, sprich sind beide Enden miteinander verschweißt, handelt es sich um ein Tüllenbeil. Ist die Tülle dagegen noch offen, nennt man diese Axtform Lappenbeil. Zur Schäftung benötigen diese Beile, egal ob quer oder entlang des Schaftholzes angebracht, eine knieförmig gebogenes Stück Holz. Aufgrund der starken Belastung des Schaftes während der Nutzung nutzte man hierfür knieförmig gewachsene Holzpartien, wie die Übergänge vom Stamm zu Ast oder Wurzelholz.

Sowohl Lappen- wie Tüllenbeil stammen in ihren Ursprüngen aus der späten Bronzezeit und waren vor allem in der Vorrömischen Eisenzeit gebräuchlich. Doch offenbar hat sich diese Form bis in die Wikingerzeit als Dechsel erhalten. Die Ansprache als Dechsel erfolgt dabei,  vor allem durch die Stellung der Schneide zur Tülle, welche bei diesen wikinzeitlichen Axt-Urformen darauf hinweisen, dass sie vermutlich ausschließlich als Querbeile Verwendung gefunden haben (zumindest in Haithabu).  Dabei gibt es sowohl Flachdechsel, mit gerader Schneide, wie auch verschiedene Hohldechselformen, mit gerundeter Schneide.

Dechsel, die ein Schaftloch wie eine Axt aufweisen, sind für die Wikingerzeit im Verhältnis zu den gerade beschriebenen, kniegeschäfteten Formen eher selten. Aus Haithabu gibt es bislang nur einen Fund. Dieser ist gekrümmt und hat ein flaches, quer zum ovalen Schaftloch liegendes Blatt. Die Unterseite trägt Schaftlochlappen und der ebene, hammerartige Nacken ist durch eine Stauchungskerbe auf der Unterseite vom übrigen Axtkörper abgesetzt. Einen formgleichen Dechsel gibt es aus dem Werkzeugdepot von Mästermyr auf Gotland, das etwa um das Jahr 1000 datiert.

Noch viel seltener sind sogenannte Breitdechsel. Sie unterscheiden sich von den oben beschriebenen Axtdechseln lediglich durch ihre breit ausgezogene Schneidenpartie. Ein solches Exemplar befand sich ebenfalls im Depotfund von Mästermyr. In Haithabu fehlt diese Werkzeugform bislang komplett. Dagegen gibt es große Doppelbartäxte, die ebenfalls zum Schlichten größerer Flächen genutzt werden können, aber eine andere Positionierung des Werkstücks erfordern. Möglicherweise erklärt sich in dem Vorhandensein dieser großen Äxte das Fehlen von Breitdechseln in Haithabu.
           
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Statens historiska museer SHM
Der Breitdechsel von Mästermyr auf Gotland. (Gleichzeitig Link zum Datenblatt) © Statens Historiska Museum, Stockholm.
     
Literaturnachweis:
G. Arwidsson u. G. Berg, The Mästermyr find: A Viking age tool chest from Gotland (Stockholm 1983).
P. Westphalen, Die Eisenfunde von Haithabu. Die Ausgrabungen in Haithabu, Band 10 (Neumünster 2002).