Spindel mit Wirtel aus Glas
         
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Rekonstruktion einer Spindel mit gläsernem Wirtel aus Haithabu, gefertigt von Matthias Barkmann
       
Die hier gezeigte Spindel stellt ein Koriosum gleich in mehrfacher Hinsicht dar: Gefunden wurde von Ihr nur der Spinnwirtel in Haithabu. Das Besondere ist, dass dieser aus Glas besteht. - Ein gänzlich ungewöhnliches Material für diese Gerätschaften in der Wikingerzeit.

Zugleich kommt das Stück nicht aus dem skandinavischen Raum, sondern aus Süddeutschland. Dort sind mehrere dieser Spinnwirtel bekannt. Allerdings nicht aus der Wikingerzeit, sondern bereits aus Gräbern der Merowingerzeit des 6. Jahrhunderts. Es handelt sich folglich um ein sehr kurioses Stück, das möglicherweise als Prestigeobjekt auch noch während der Wikingerzeit genutzt wurde.

Für diese Theorie könnte die Existenz zweier weiterer, gläserner Spinnwirtel aus Haithabu sprechen. Diese haben zwar andere Formen, jedoch ist eine davon typisch für die Wikingerzeit, weshalb davon auszugehen ist, dass Spinnwirtel aus Glas zumindest in Haithabu von Zeit zu Zeit anzutreffen waren.

Spinnwirtel aus Ton sind dagegen die Regel und massenweise in Haithabu, wie auch anderen frühmittelalterlichen Siedlungen, gefunden worden.
   
       
Gläserner Wirtel aus Haithabu, vermutlich 6. Jh.
(Steppuhn 1998, Tafel 9.21; mit freundlicher Genehmigung des Archäologischen Landesmuseums Schleswig-Holstein)
       
         
Literaturnachweis:
P. Steppuhn, Die Glasfunde von Haithabu. Berichte über die Ausgrabungen in Haithabu 32 (Neumünster 1998).